28.10.2010

Dr. Schlippe im Interview bei Ökotest 3/2010

"Dermatologisch getestet" oder "in Kliniken bewährt": Auf kaum einem Kosmetikum fehlen solche oder ähnliche Hinweise. Wer meint, damit ein besonders gutes Produkt zu kaufen, der irrt. Denn die lobenden Angaben sind schlichtweg Selbstverständlichkeiten.

Eine schriftliche Anfrage von ÖKO-TEST zu einem Kosmetiklabel?
Die Verwirrung unter den 24 angeschriebenen Herstellern war beträchtlich. Warum will ÖKO-TEST wissen, welche Prüfungen hinter dem Label stecken? Wie wird geantwortet, ohne allzu viel preiszugeben? Es beginnt ein Taktieren und Lavieren. Dermatologisch geprüft?

Sicher, das steht auf der Verpackung, aber die Drogeriekette Müller bittet um Verständnis dafür, "dass wir aufgrund unserer vertraulichen Lieferantenbeziehungen sowie aus haftungsbedingten Gründen keine Details zu Richtlinien, Gestaltung oder Kontrollen der Auslobungen an Dritte weitergeben können". Andere verraten etwas mehr, von Tests durch "anerkannte und erfahrene Dermatologen" ist die Rede oder von Untersuchungen durch "renommierte, unabhängige Testinstitute". Nur wenige aber legen das entsprechende Gutachten vor oder nennen die Prüfer beim Namen.

Warum diese Geheimniskrämerei?
Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Die meisten Label sagen wenig aus. Dermatologisch getestet heißt nämlich nur, dass es einen Test gegeben hat - aber wie der ausgefallen ist, bleibt offen. Labels mit "Dermatologisch getestet" dienen vor allem dem Marketing. Natürlich ist es bei seriösen Firmen durchaus üblich, Tests auf Verträglichkeit machen zu lassen, bevor ein Produkt auf den Markt kommt. Allerdings gibt es keine einheitlichen Standards, die erfüllt werden müssten.

Die Firma Dermatest im westfälischen Münster ist eines der Institute, die für große Kosmetikfirmen Tests zur Hautverträglichkeit machen. Ihr Name taucht auch in den Antwortschreiben der Hersteller häufiger auf. Der Geschäftsführer Werner Voss, der das Testinstitut vor 30 Jahren gründete, ist selber Hautarzt und gibt bereitwillig Auskunft. Bei neuen Produkten oder Rezepturen sei ein Epikutantest durchaus üblich, bestätigt Voss. Dabei wird das Mittel mehreren Testpersonen auf die Haut aufgetragen und mit einem Pflaster abgeschlossen. Frühestens nach 24 Stunden wird das Pflaster entfernt und die betroffene Hautstelle von einem Hautarzt auf mögliche Irritationen untersucht. Noch zwei weitere Tage wird die Stelle beobachtet.

30 Versuchspersonen sind für einen solchen Epikutantest üblich, amerikanische Firmen wollen laut Voss meistens 50 Probanden. "Statistisch gesehen sind eigentlich 18 Leute schon eine ausreichende Menge." Treten bei den Probanden, etwa ein Drittel von ihnen mit empfindlicher Haut, keine Reizungen oder allergische Reaktionen auf, bekommt der Auftraggeber ein Gutachten mit den entsprechenden Informationen und dem Zusatz: "Das Präparat kann deshalb mit ,dermatologisch getestet' deklariert werden."

"Rechtlich gesehen gibt es kaum Beschränkungen bei den Formulierungen", stellt Dr. Voss aber klar. Im Prinzip sei es auch denkbar, dass ein Hersteller "dermatologisch getestet" auf das Produkt schreibt, es aber gar keinen Test gegeben hat. "Wenn das herauskommt, wäre das aber ein riesiger Imageverlust für das Unternehmen." Dann lieber die 540 Euro zahlen, die der Epikutantest bei Dermatest kostet - für große Kosmetikfirmen ein vergleichsweise lächerlicher Betrag.

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